Ab ins Ausland - Wie alles begann…
Ein Qualitätsziel der Wohnortnahen Beruflichen Rehabilitationseinrichtung in Halle für das Jahr 2011 ist die Durchführung transnationaler Projekte. Durch die Teilnahme an diesem Projekt erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, während ihrer Ausbildung einen berufsrelevanten Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Sie bekommen einen Einblick in den freien Arbeitsmarkt, lernen andere Tätigkeits- und Organisationsabläufe kennen, erleben eine andere Geschäftskultur und erwerben natürlich auch interkulturelle Kompetenzen. Begriffe wie Flexibilität und Mobilität sind aus der heutigen Arbeitswelt nicht mehr weg zu denken und fordern auch von unseren Jugendlichen hohe Anpassungsleistungen. Damit werden sie besonders in Situationen, wie zum Beispiel der Absolvierung des Praktikums oder bei der Arbeitsplatzsuche im Anschluss an die Ausbildung, konfrontiert. Die angebotenen Auslandsaufenthalte zu Lernzwecken tragen dazu bei, diese Schlüsselqualifikationen zu festigen und auszubauen, die Angst vor dem Neuen und Unbekannten zu mindern und nicht zuletzt die persönliche Entwicklung zu fördern. Deshalb war es uns ein großes Bedürfnis, endlich solche Projekte in unsere Angebotspalette aufzunehmen.
Die Möglichkeit dazu erhielten wir durch die Unterstützung des Poolprojekts „INTEGRA 2010“ (gefördert aus Mitteln der Programme Lebenslanges Lernen der EU/LEONARDO DA VINCI und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung) von „Arbeit und Leben Thüringen“, bei dem wir Teilnehmerplätze reservieren konnten. Zunächst stand die Akquise von Teilnehmern an. Durch das gewählte Zielland Österreich konnten sich die Fachbereiche Ernährung, Hauswirtschaft, Agrarwirtschaft und Holztechnik beteiligen. Das Projekt wurde den Jugendlichen im Rahmen von Informationsveranstaltungen vorgestellt. Jeder Besucher bekam im Anschluss die Möglichkeit, sich über ein Motivationsschreiben zu bewerben. Das Interesse schien riesig. Insgesamt 15 Schreiben gingen bei uns ein. Als wichtigste Motive für die Teilnahme wurden genannt, sich in der neuen Situation zurechtzufinden und zu bewähren, Erfahrungen zu sammeln, den eigenen Horizont für andere Kulturen und Lebensformen zu erweitern, sich im Beruf weiter zu entwickeln und zu verbessern, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, aber auch neue Freunde zu finden.
In einem anschließenden Einzelgespräch wurden die persönlichen Gründe und Erwartungen besprochen. Weitere wichtige Themen wie Heimweh, Krankheit, hohe Anforderungen an die Selbständigkeit usw. wurden mit den Jugendlichen erörtert.
Die hauptsächlich kulturelle, praktische und pädagogische Vorbereitung des Auslandsaufenthalts erfolgte durch Workshops in Gruppen- und Einzelarbeit sowie durch Einzelgespräche. Bei Bedarf bezogen wir auch Eltern, Verwandte und Bekannte in die Vorbereitung mit ein.
Das Projekt startete am 17. Februar 2011. Die Dauer des Auslandsaufenthaltes beträgt mindestens 4 Wochen. Zum Praktikumsort wurden die Jugendlichen begleitet. So konnten notwendige letzte Absprachen mit der Partnereinrichtung geführt und organisatorische Dinge besprochen werden. Vor Ort stand den Teilnehmern ein Betreuer zur Verfügung, der sie bei der Durchführung unterstützte und begleitete. Es wurden regelmäßige Telefonate mit den Auszubildenden als auch dem Verantwortlichen vor Ort geführt. Je nach Bedarf und Persönlichkeit des Jugendlichen gestalteten sich die Kontakte unterschiedlich. Am Ende des Praktikums erfolgte durch den Betreuer eine Auswertung direkt vor Ort. Im Ergebnis zeigte sich die sehr hohe Qualität der Maßnahme und für den Jugendlichen unmittelbar verwertbaren Ergebnisse.
Neben den allgemeinen Auflagen des Programms LEONARDO DA VINCI, online einen Teilnehmerbericht auszufüllen, umfasste die Nachbereitung auch das Erstellen von Fotodokumentationen, das Erstellen eines Zeitungsartikels, das Führen von Unterrichtsgesprächen, Präsentationen und den informellen Austausch unter den Jugendlichen. Alle Maßnahmen verfolgen als Ziel, neben der Auseinandersetzung des Jugendlichen mit seinem Aufenthalt, die Multiplikation der Ergebnisse, um das Projekt weiterzuführen und positiv zu besetzen.
Abgesehen von den für die eigene Entwicklung wertvollen Erfahrungen (positive wie negative) erhielt jeder Jugendliche zusätzlich den „europass Mobilität“. Er ist ein europaweit einheitliches Formular, welches die Auslandserfahrungen, Sprachkenntnisse und vor allem das berufliche Know-how in einer einheitlichen und international verständlichen Form dokumentiert und somit ein Pluspunkt für den Lebenslauf und die Bewerbung. Die Personalverantwortlichen können sich ein genaues Bild von den im Ausland erworbenen Fähigkeiten machen und deren Qualität durch die Kriterien sehr gut einschätzen. Zudem trägt er dazu bei, Lern- und Berufserfahrungen auf dem europäischen Arbeitsmarkt transparent und vergleichbar zu machen. Der Stolz der Jugendlichen beim Empfang des „europass Mobilität“ war dabei nicht zu übersehen.
Am 07.10.2011 ging es bereits zum vierten Mal ins europäische Ausland und wir hoffen, noch viele weitere Projekte in weiteren Zielländern durchführen zu können.
Besonderer Dank gilt dem Projekt von „Arbeit und Leben Thüringen“ für die Bereitstellung der Teilnehmerplätze, dem Sondershäuser Bildungsverein e.V. für die Unterstützung vor allen in der Startphase und den vielen hoch motivierten Jugendlichen, die bisher teilgenommen haben und zukünftig teilnehmen werden.
Artikel wurde verfasst von Michaela Görner-Breitbach Integrationspädagogin und Bildungsbegleiterin
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