Gruppenbild Schützling Lisa Cilas (links), BvB-Teilnehmer, Trainer Ferenc Schmidt (rechts),
Draufhauen erlaubt – Boxen in der Berufsvorbereitung
Bei Dr. P. Rahn & Partner – Rehabilitationsbereich Halle war es den Mitarbeiterinnen der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme ein Anliegen für die geplante Projektwoche im April 2011 zum Thema „Gewaltprävention“ den Jugendlichen ein sportives, zielgruppengerechtes Freizeitangebot vorzustellen, bei dem sie mit anderen Personen und Lebenseinstellungen in Kontakt kommen. Durch körperliche Anstrengung sollten sie erfahren angestauten Ärger zu kanalisieren, sich untereinander zu messen, ihre Grenzen kennen zu lernen und dabei statt Ärger und Sanktionen ein positives Feedback vom Trainingsumfeld zu erhalten.
Es wurde Kontakt aufgenommen mit dem Verein „Boxring Eintracht Halle e.V.“, der zum Dachverband SV Halle gehört. Seit August 2009 können Interessierte hier ihre Freizeit mit diesem Angebot bereichern. Zurzeit trainieren ca. 120 Mitglieder (Tendenz steigend) im Alter von 9 bis 64 Jahre, wobei die Mehrheit 16- und17-jährige Jugendliche sind.
Der Projektleiter Ferenc Schmidt zeigte sich von Beginn an interessiert und kooperativ. Unter Berücksichtigung der teilnehmerspezifischen Parameter erstellte er zwei Trainingseinheiten zu je 90 Minuten. Nach einem ausführlichen und spielerisch verpackten Konditionstraining schienen die Jugendlichen am Ende ihrer Kräfte. Das hinderte sie nicht daran sich beim anschließenden Gerätetraining, der Grundlagenvermittlung zum Boxen sowie den Partnerübungen weiterhin zu verausgaben. Während der intensiven Minuten des Schindens blieben die Jugendlichen dran und hatten trotz extremer körperlicher Anstrengung Spaß am Aktiv sein.
Dass auch Mädchen beim Boxtraining gut aufgehoben sind, beweist die 19-jährige Deutsche Meisterin 2011 und Bronzemedaillengewinnerin der Europameisterschaft 2010 Lisa Cielas, Schützling von Trainer Ferenc Schmidt, die am zweiten Trainingstag die Gruppe anleitete. Die Jugendlichen erlebten eine Gleichaltrige mit klaren Vorstellungen, vorbildlicher Fitness und kreativem Handeln. Sie trainierten eifrig und waren laut eigenen Aussagen schwer von Lisa Cielas beeindruckt.
Nach dem Schnuppertraining haben die Jugendlichen nun im Nachgang die Chance, dieses neue Sportangebot in ihrer Freizeit eigenverantwortlich in Anspruch zu nehmen. An drei Tagen (Mo, Mi, Fr) werden Gruppen unterschiedlichen Alters von den Trainern angeleitet; an zwei Tagen (Die, Do) besteht die Möglichkeit, selbstorganisiert alle Angebote der Boxhalle zu nutzen. Der Monatsbeitrag (10–15 €) ist dabei erschwinglich.
Außerdem wird von Studenten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Nachhilfeunterricht angeboten. Kinder und Jugendliche erhalten individuelle Unterstützung in ihren leistungsschwachen Fächern und können sich gezielt auf anstehende Klassenarbeiten vorbereiten.Darüber hinaus findet man im Sozialprojekt kompetente und authentische Ansprechpartner mit offenen Ohren für die Bandbreite an Problemen, die Jugendliche beschäftigen.
Trainer Ferenc Schmidt und die BvB-Teilnehmer beim Trainieren
erschöpt und doch gut drauf Trainer Ferenc Schmidt mit Schützling Lisa Cilas
Kurzinterview mit Projektleiter Ferenc Schmidt
Wie sind Sie zum Boxen gekommen? F.S.: „Mit Seilspringen im Sportunterricht fing alles an. Meine Fähigkeiten als Achtjähriger wurden erkannt und mein Interesse für den Boxsport geweckt.“
Was wären Sie geworden, wenn Sie den Boxsport nicht kennengelernt hätten? F.S.: „Auf jeden Fall Sportler. Ein Leben ohne Sport ist für mich unvorstellbar.“
Nach seinem Wechsel auf die Sportschule war Ferenc Schmidt schnell klar: Wer trainieren will, muss gute Leistungen in der Schule erzielen. Disziplin, Ausdauer und Einsicht waren gefragt auf dem Weg zum Adrenalin-Kick. In seiner kampfesfreudigen Jugendzeit wurde er DDR-Spartakiade Vizemeister, vier Mal Deutscher Vizemeister und Mitglied der Nationalmannschaft.
Mittlerweile ist der gelernte Bauzeichner 35 Jahre und steht vorrangig auf der anderen Seite. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen Marcus Reiche (22 Jahre) und Marcus Gerber (33 Jahre) fördert das Trainerteam Jugendliche und Boxinteressierte im halleschen Sozialprojekt „Boxen“.
Eine Abschlussfrage an den Projektleiter: welchen Tipp geben Sie den Jugendlichen auf ihrem Weg ins Leben mit? F.S.: „Immer in Bewegung bleiben und dabei physisch wie psychisch nicht einschlafen!!!“
Artikel wurde verfasst von Kristin Rudolph Sozialpädagogin Berufsvorbereitung
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