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(Bahnhofs-)Mission possible



Ziel unserer täglichen Arbeit ist es, neben den beruflichen Kenntnissen und Fertigkeiten auch soziale Kompetenzen zu entwickeln bzw. zu stärken. Fachkenntnisse lassen sich zum Teil auch theoretisch vermitteln, soziale Kompetenzen werden fast ausschließlich praktisch und anhand von Erfahrungen im realen Leben gesammelt. Um die Ausbildungsklasse der Beiköche um eine solche praktische Erfahrung zu bereichern, wurde das Projekt „Kochen für Bedürftige“ ins Leben gerufen. Bis jedoch der Projektname in die Realität umgesetzt werden konnte, galt es noch eine Menge Vorbereitungen zu treffen. Hierfür wurden die wöchentlichen sozialpädagogischen Stunden genutzt. Nach einer ersten Vorstellung der Idee zeigten sich die Auszubildenden begeistert und so wurden zunächst Kontakte zu verschiedenen in Frage kommenden Einrichtungen aufgenommen. Nachdem wir unser Vorhaben erklärt hatten, zeigte sich die Bahnhofsmission sehr erfreut und sofort bereit. Als nächsten Schritt galt es  die materiellen Bedingungen in der Mission abzuklären. So wurde in das Programm für den Sozialpädagogischen Tag zusätzlich ein Besuch vor Ort einbaut.

 

Die Leiterin Frau Müller sprach vor der Gruppe  über die Geschichte, die Aufgaben, die Mitarbeiter, die fast alle ehrenamtlich dort arbeiten und über die Leute, die in die Bahnhofsmission zum Essen kommen. Wie wir erfuhren, wird in der Bahnhofsmission normalerweise nur ein Frühstück, Kaffee und Tee angeboten. Deshalb ist die Küche nicht  für echte Kochaktionen entsprechend ausgerüstet. Da durften die Auszubildenden schon mal in alle Schränke reinschauen, um sich ein Überblick über die vorhandenen Zutaten und Materialien zu verschaffen. Die Jugendlichen erfragten zudem ihr Budget, das sich auf  80 Euro belief. Frau Müller bat um einen Aushang, damit auch alle über dieses für die Bahnhofsmission ungewöhnliche Angebot Bescheid wissen. In der darauffolgenden Sozialpädagogischen Stunde ging es dann an die genaue Planung. Da uns auch  die „Größe“ der Küche überrascht hatte, war schnell klar, dass hier nicht alle Auszubildenden gleichzeitig arbeiten können. So machten wir aus den 10 Auszubildenden 2 Gruppen á 5 Mann, die dann an zwei unterschiedlichen Tagen ihr Bestes geben wollten. Danach legten wir die Menüfolge fest. Jede Gruppe  hatte ein Budget von 40 Euro zur Verfügung, welches  gewöhnlich zur Verpflegung  von etwa 30-40 Personen reicht. Hier konnten die Auszubildenden ihre erworbenen Kenntnisse anwenden. Die Rezepte mussten rausgesucht und auf die Personenanzahl hochgerechnet werden. Daraus entstand eine Einkaufsliste für den Großmarkt. Im Rahmen der Arbeitsvorbereitung machten wir eine Aufstellung über die Arbeitsmittel, die von uns zum ausgemachten Termin in der Vorweihnachtszeit mitgenommen werden mussten. Und das war einiges: Töpfe, Teller, Kellen, Pfannen u.s.w.
An unserem Active-Board entwarfen die Gruppen im Photoshop- Programm ihre Aushänge mit Kreativität.  Das Ergebnis konnte sich dann sehen lassen:





 

An den Tagen vor dem Kochen fuhren die Gruppen mit unserem Stützlehrer Herr Nebe in den Großmarkt, um ihre Einkaufslisten abzuarbeiten. Es sollte ja auch alles frisch sein! Die meisten Auszubildenden waren zum ersten Mal in einem Großmarkt und staunten über die hier angebotenen  Verpackungsgrößen.

Und am 8. und am 14.12.2010 war es dann endlich soweit: Um 06:45 trafen wir uns vor Bahnhofsmission und trugen die Zutaten und die Kochutensilien in die Räume der Bahnhofsmission. Dann flick in die Kochkleidung gesprungen, denn bis 08:00 Uhr mussten die rund 70 belegte Brote und Brötchen für das Frühstück fertiggestellt sein, eine Aufgabe, die sonst die ehrenamtlichen Helfer erfüllen.

 



 

 

Doch nicht nur die Herstellung des Frühstücks und des Mittagessens, sondern auch die Ausgabe übernahmen an diesen Tagen unsere Auszubildenden. Denn Ziel des Projekts war neben der Anwendung von Fachkenntnissen ja schließlich, dass die Jugendlichen in den Kontakt mit den Besuchern der Bahnhofsmission treten. Und hier waren die Jugendlichen überrascht über die Spannweite der Gäste, denn so fanden sich dort neben den erwarteten älteren und finanziell schwachen Menschen auch sehr junge Leute und sogar kleine Familien ein. So unterschiedlich das Publikum auch war, so waren sich doch alle einig, dass die von unseren Beiköchen hergestellten Menüs super geschmeckt haben und was außergewöhnliches.

 

 



 

Die ganze Aktion erregte dann auch die Aufmerksamkeit der lokalen Medien. So besuchten uns an einem Tag die Mitteldeutsche Zeitung und an dem anderen Tag das Teams des Lokalsenders TV HALLE. Das fanden die Jugendlichen schon ziemlich „cool“, wie sie hinterher in der Auswertung schrieben. 
Trotz allem haben die Auszubildenden großen Respekt vor den Mitarbeitern der Bahnhofsmission, denn wie sie leider feststellen mussten, entsprach die gezeigte Dankbarkeit nicht den Erwartungen. Das war in der Auswertung Anlass genug um einmal über die eigene Dankbarkeit nachzudenken und zu diskutieren. Zudem sei es schon ganz schön traurig zu sehen, wie manche „weit unten“ manche Menschen sind. Deshalb hieß es denn bei fast allen Jugendlichen in der Auswertung: schöne Aktion, aber jeden Tag möchte ich das nicht machen müssen…

 

Artikel wurde verfasst von

Patrick Gast

Sozialpädagoge Fachbereich Ernährung

 

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